In den folgenden Abschnitten finden Sie evtl. Ihnen unbekannte Tipps und Tricks zur erfolgreichen Schiffsführung, den steuerlichen Implikationen und den versicherungstechnischen Fragen dieser durchaus angenehmen Weise, sein Brot zu verdienen.

Für viele Menschen ist es ein Traum, an einer Küste oder Ufer am Wasser zu wohnen. Die Steigerung für solche Menschen mag ein Job oder gar der Beruf im maritimen Bereich sein. Steuermann, Erster Offizier oder gar Kapitän auf großer Fahrt sind Traumberufe mit großer Verantwortung.

Eine Nummer kleiner sind die Tätigkeiten auf dem Wasser in Zusammenhang mit Freizeit und Urlaub. Der Faszination Seefahrt während des Urlaubs auf einer Segel- oder Motoryacht erliegen immer mehr Personen. Der zeitliche und natürlich finanzielle Aufwand für dieses schöne Hobby "Schiffsführung" oder "Skippern" ist groß. Hier kann ein Profi-Skipper den Traum vom Urlaub auf dem Wasser auch einer nicht seemännisch erfahrenen Person ermöglichen.

Ein Profi-Skipper hat neben der Verantwortung von Crew und Schiff auch administrative Aufgaben in Bezug auf Ausbildung, gewerbliche und Finanzamt-Anmeldungen, sowie resultierende Rechte und Pflichten zu Ausgaben und Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit. Für jede gewerbliche Tätigkeit ist eine sogenannte Berufshaftplicht und weitere Versicherungen angeraten. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass hier nur Hinweise gegeben werden. Es ist durchaus professionell, die steuerberatende Zunft um Auskunft zur individuell persönlichen Lage zu bemühen.

Welche Ausbildung ist für eine professionelle Schiffsführung notwendig?

Der Einstieg gelingt über den Sportbootführersschein See (SBF See). Hiermit hat man die Erlaubnis, sogenante Sportboote zu führen . Die weitere seemännische Qualifikation erlangt man mit dem Sportküstenschiffer-Schein (SKS). Diese Ausbildung beinhaltet auch Segeltechnik und gilt für die 12 Meilen -Zone (Küstengewässer). Erst mit dem Sportseeschiffer-Schein können professionelle Dienstleistungen durchgeführt und der Fahrtbereich gilt für die sog. 30 Meilen-Zone. Alternativ wird gerne die engl. RYA-Ausbildung nach dem Curriculum der Royal Yachting Association angeführt. In der Tat ein ganz anderer Schulungsansatz, zu dem sehr gute Englischkenntnisse und die Bereitschaft, auch in rauheren Tidengewässern seine Ausbildungsfahrten zu erledigen, gehört. Allerdings gilt der Yachtmaster Offshore nicht zum Führen gegen Entgelt deutsch geflaggter Yachten in deutschen Gewässern. Die Thematik ist komplex, wir empfehlen hierzu, sich mit einer Boots- oder Segelschule in Verbindug zu setzen und einen individuellen Ausbildungsplan auszuarbeiten.
Das Internet und einschlägige Foren bieten ebenfalls eine Fülle von Informationen zu diesem Thema.

Gewerbeanmeldung

Erkundigen Sie sich bei Ihrem zuständigen Ordnungsamt, welche Optionen Sie haben.

Finanzamt

Je nach Fall benötigen Sie eventuell noch eine Steuernummer. Hierbei wird die Steueridentifikationsnummer immer wichtiger. Mit einem kurzen Anruf bei Ihrem Finanzamt klären Sie die Vorgehensweise. Sollten Sie viel im europäischen Ausland tätig sein, macht die Beantragung einer Umsatz-Steueridentifikationsnummer Sinn. Damit können Sie im europäischen Ausland Ihre Dienstleistung umsatzsteuerfrei abwickeln.
Sollten Ihre Einkünfte unter 17.500 EUR im Jahr liegen, könnten Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Hierbei berechnen Sie auf Ihren Rechnungen an Auftraggeber keine Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) und können im Gegenzug auch keine Mehrwertsteuer aus Investitionen und Einkäufen geltend machen.

Wie kann ich mich und meine Familie gegen finanzielles Ungemach schützen?

Das Tun und Handeln oder das nicht Handeln kann vermögenswirksame Auswirkungen für den Skipper haben. Sichern Sie sich gegen Unfall, Versehrtheit und Schadensersatzforderungen ab. Hierzu stehen die Yacht-Pool Angebote Berufsskipper-Haftpflicht, Skipper-Unfallversicherung und Rechtschutzversicherung zur Verfügung.

Versicherungsprämien sind i.d.R. steuerlich absetzbar. Sprechen Sie uns auf ein Angebot an.

 

Zu guter Letzt wollen wir eine paar gute Ratschläge zu erfolgreicher Schiffsführung teilen. Ein Griff in die Erfahrungskiste und das kam zum Vorschein:

Ein professioneller Skipper

  • ist sich seiner Grenzen bewusst. Das gilt für die Gesundheit, Ausbildungsstand, Kenntnisse und Erfahrung.
  • hält es mit der Wahrheit, was für die Basis für das Zusammenleben und Zusammenarbeit mit den Mitmenschen ist. Seemannsgarn ist etwas für Hafenkneipen.
  • sorgt von Anfang an mit ruhigem Auftreten für eine entspannte Atmosphäre an Bord und legt damit die Grundlage für einen interessanten und auch durchaus spaßigen Törn.
  • ist verantwortlich für das Geschehen an Board und vermeidet alles, was die Mitmenschen in Buchten und Häfen stört. Wenn es notwendig ist, ruft er die Crew angemessen zur Ordnung.
  • weist seine Crew, auch wenn die Crew ihn bezahlt, in angemessener Weise auf Fehlverhalten hin. Dazu gehört auch das Überbordwerfen von Abfall, selbst organischen Abfall (siehe MARPOL)
  • ist in der Lage, auch die zwanzigste Sicherheitseinweisung am Beginn eines Törns interessant zu gestalten. Zu einer Sicherheitseinweisung gehören:
    • Verhalten und Bewegen an Bord
    • Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Rettungsweste und/oder Trockenanzüge
    • Theoretische und praktische Übungen (bestens am ersten Tage nach ca. 2-3Std Fahrt in freiem Seegebiet: Aufregung hat sich gelegt) zu Mann-über-Bord-Situationen.
    • Auf Segelyachten Leinenführung und Segelbedienung, wie Segelwechsel, Reffen, Bullenstander, usw.
    • Bedienung und Handhabung von Luken und Seeventilen
    • Bedienung von Toiletten und die lokalen Richtlinien und Gesetze zum Umgang mit Grau- und Schwarzwasser (MARPOL)
    • Bedienung des Motors und tägliche Kontrolle nach dem WOLKE-Prinzip
    • Einstellung/Kalibrierung des Tiefenmessers
    • Kontrolle der Bilge
    • Umsichtiges Verhalten beim Hantieren mit Treibstoffen aller Art auf Gewässern
    • Aufbewahrung von Getränken und Lebensmittel (Dosenetiketten usw.). Keine Kartons wegen Ungeziefer an Bord nehmen!
    • Sauberkeit an Bord, Backschaft, Versorgung der Wachen.
    • Vermittlung von Kenntnissen an Interessierte zur Seemannschaft wie Knoten, Kartenarbeit und Peilungen
    • das Vorgehen zum Thema Abfall (MARPOL): organische Abfälle gehen nicht über Bord, Mülltrennung
    • Verhalten bei rauem Wetter
    • Ausguck halten (Skipper wirft Fender über Bord und wartet auf Reaktion der Crew. Nach angemessener Zeit mit dem Ruf „Fender über Bord“ MOB Routine üben.)
    • Verhalten im Notfall z.B. Feuer, Wassereinbruch, Krankheit und Verletzungen
    • Handhaben der technischen Geräte, sowie Bereithalten der Dokumentation zur Detail-Bedienung. Dazu gehört auch das Benennen einzelner Crewmitglieder für die Bedienung von Ausrüstung in Notfällen, wie Erste Hilfe, Seefunk, Rettungsinsel, EPIRB usw. Auswahl eines erfahrenen Crewmitglieds als Co-Skipper.
  • erklärt jedes Mal vor dem An- oder Ablegen den Ablauf des Vorgangs (Briefing), benennt Crewmitglieder mit Namen für einzelne Rollen (Vorleine/Achterleine/Spring/Welche Leine zuerst am Steg/Aktions-Fender/Standby am Ruderstand/Kommunikation mit Hafenmeister), kommentiert seine Aktionen (warum auf einmal Rückwärtsfahrt??) und gibt damit der Crew zum Anfang der Fahrt und Ende der Fahrt der Crew jedes Mal das Gefühl, alles meistern zu können. Geht einmal nicht alles wie geschmiert, hilft das Debriefing, den Vorfall positiv zu verarbeiten. Auch bei bestens gelaufenen Aktionen, wie eine z.B. eine schön gefahrene Halse, hilft ein kurzes Debriefing der Stimmung und steigert Selbstbewusstsein und Teamverhalten.
  • betreut seine Crew auch bei Langfahrten umsichtig und
    • achtet auf ausreichende Wasser- und Nahrungsaufnahme
    • achtet auf ausreichend Schlaf der Crew
    • teilt die Wachen nach Kenntnisstand und Erfahrenheit ein
    • ist, da ausgeruht, nachts jederzeit bereit, auf Situationen oder Fragen der Wache zu reagieren
  • navigiert verantwortungsvoll und mit ausreichendem Sicherheitsabstand zu Hindernissen (Legerwall) und/oder überwacht die Navigation und Durchführung der dafür eingeteilten Crew oder Navigator.
  • teilt sein Wissen auf Fragen der Crew bereitwillig und interessant mit, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger.
  • fördert das Verständnis für die Natur und besonders für die Wasserbewohner. Er fährt nicht mit Vollgas auf eine Delphin- oder Walschule zu, um der Crew bessere Fotos zu ermöglichen.
  • kann eine fischende Crew beim Fang und Töten der Beute sachgerecht beraten, bzw. hat sich versichert, dass alles nach anerkannten Regeln geschieht oder untersagt das Fischen. In vielen Revieren ist das Speer- oder Harpunenfischen strengstens untersagt.
  • ermöglicht erfahrener Crew die zeitweise Führung der Yacht. Oft hat sich eine „Skipper des Tages“-Routine sehr gut bewährt. Auf diese Weise kann man neue oder nicht so erfahrene Schiffsführer unter Aufsicht an die Aufgaben eines Schiffsführers heranführen und macht die gemeinsame Zeit an Bord zu einem unvergesslichen Erlebnis.
  • ist sich darüber im Klaren, das er als Skipper die alleinige und ganze Verantwortung für Crew, Schiff und Umwelt trägt, und dementsprechend handelt. Die YACHT-POOL Berufskipper-Haftpflicht schützt das Vermögen des Schiffsführers bei Unfällen und Schäden, was wiederum eine selbstbewusste und sichere Schiffsführung ermöglicht.

Im Übrigen gilt, was Skipper Sepp aus Regensburg sagt: „Ruhe bewahren und immer guad auschaugn!“